Am 1. Mai bekamen wir Besuch von einem Kamerateam: SPIEGEL TV war im AquaMagis Plettenberg zu Gast, mit Kamera, Tonangel und einer klaren Mission — herausfinden, was Freizeit in Deutschland heute ausmacht. Im Mittelpunkt stand ein 22 Meter hoher Gigant aus Glasfaser und Stahl: der Shooting Star. Für die Reportage „Die Spaß-Giganten" haben Arnd Nobbe und René Lüdemann ihn auf Herz und Nieren getestet. Am 16. Juni lief der Beitrag.
Der Shooting Star in Zahlen
Nicht umsonst trägt der Shooting Star den Beinamen Kamikaze-Rutsche. Wer oben auf der schmalen Plattform steht, hat den Wald des Sauerlands tief unter sich und ein Stück Physik vor sich, das man im Alltag selten erlebt — den Moment der Schwerelosigkeit.
- ▸Höhe: 22 Meter — Deutschlands höchste Outdoor-Rutsche
- ▸Länge: 100 Meter pure Beschleunigungsstrecke
- ▸Maximales Gefälle: 120 %, also nahezu freier Fall
- ▸Top-Speed: bis zu 60 km/h
Im ersten Steilstück hebt man fast vollständig ab und fliegt regelrecht durch die Rinne, bevor die Schwerkraft wieder zupackt. Genau dieser kurze Flug-Moment ist es, der süchtig macht.
Rod, die „erfahrene Granate"
Oben am Turm trifft man auf Rod — den Mann am Shooting Star. Seine Kollegen nennen ihn ehrfürchtig die „erfahrene Granate", und er ist für viele Gäste der psychologische Anker kurz vor dem Absprung. Seine eigene Geschichte ist dabei das beste Argument gegen jede Ausrede: Vor zwei Jahren bekam Rod das Angebot als Bademeister. Das Problem — er konnte nicht schwimmen. Also lernte er es mit 66 Jahren.
Wer das weiß, dem kommen die eigenen Zweifel vor der Rutsche plötzlich ziemlich klein vor. Neuanfänge haben eben kein Verfallsdatum.
Speedo statt Boardshorts
In der Welt des High-Speed-Rutschens ist Mut nur die halbe Miete — die andere Hälfte ist Materialkunde. Weite Boardshorts sind der natürliche Feind der Geschwindigkeit: Sie füllen sich mit Wasser und wirken wie ein Bremsfallschirm. Die Profi-Lösung ist so simpel wie effektiv — eine eng anliegende Badehose. Je weniger Stoff Widerstand bietet, desto stabiler und schneller die Flugbahn. Wer gewinnen will, lässt den modischen Ballast im Spind.
Arnd und die Höhe
Arnd macht aus seinem Respekt vor der Höhe keinen Hehl: „Ich habe es mit der Höhe nicht so", gibt er oben am Turm offen zu, atmet tief durch und schiebt die Angst beiseite. „Ich will einfach nur überleben."
Ab 60 km/h gibt es ohnehin keine schöne Technik mehr, nur noch Körperspannung: Arme fest vor der Brust verschränkt, Beine überkreuzt, der Körper eine steife Lanze. Wer hier lockerlässt, spürt die Wucht des Wassers sofort — bei dem Tempo sucht es sich wirklich jeden Weg. Arnds Reaktion nach dem Einschlag im Zielbecken fiel entsprechend deutlich aus: „Alter, wie geil ist das denn!"
Ein Win-Win-Tag
Am Ende bleibt mehr als ein Adrenalinrausch. Wenn selbst Arnd nach der vierten Fahrt vor Begeisterung kaum noch stillstehen kann, wird klar: Der eigentliche Sieg findet im Kopf statt. Für uns war es ein richtig guter Tag — und dass SPIEGEL TV unseren Sport einem großen Publikum zeigt, macht ihn umso schöner.
